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Samstag habe ich endlich die Zeit gefunden, die neue Ausstellung im [link url="http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=222"]Haus der Photographie[/link] zu besuchen. Um ehrlich zu sein, ich habe von Saul Leiter noch nie etwas gehört und wusste nur, dass die Retrospektive neben Fotografien auch Gemälde beinhalten würde. Beste Vorbedingungen für einen sehr angenehmen Samstag.
Der nunmehr 88jährige New Yorker wird vom Abendblatt [link url="http://www.abendblatt.de/kultur-live/article2177729/Saul-Leiter-Der-grosse-Spaetentdeckte.html"]“Der Spätentdeckte”[/link] genannt. Nachdem er als junger Mann sein Studium der Theologie abbrach und nach New York ging um Künstler zu werden, sah er sich selbst zunächst als Maler. Über Weggenossen fand er den Weg zur Kamera und fotografierte fortan neben der Malerei. In den 40er Jahren entdeckte er Farbfilme und begann, seine Straßenszenen auf Farbfilm zu bannen – eine sehr teure Angelegenheit, Farbfilme konnten damals nicht selbst entwickelt werden. In den 70ern machte er noch einen Ausflug in die Modefotografie der New Yorker Modeszene und fotografiert dort heute noch täglich in seiner Nachbarschaft.
[articlequote]Photographs are often treated as important moments but really they are little fragments and souvenirs of an unfinished world – Saul Leiter[/articlequote]
Der erste Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den monochromen Werken aus Sauls Nachbarschaft. Ich stehe Streetphotography mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Zu schnell wirken solche Bilder voyeuristisch und nah, ebenso schnell unwirklich und fremd auf mich. Meistens langweile ich mich bei Straßenszenen aber einfach nur. Saul Leiters Strassenszenen fesseln mit komplett unkonventionellem Bildaufbau. Oft werden verschiedene Bildebenen durch die Spiegelungen von Fensterscheiben erzeugt, das Auge mit ungewöhnlichem Bildaufbau gefordert und der Blick gezielt auf Details gelenkt. Großes Tennis, allein diesen Bereich der Ausstellung könnte ich stundenlang ansehen.
[vimeo_video height="300" autoplay="no"]http://vimeo.com/20870559[/vimeo_video]
Bevor wir zum zweiten Teil der Ausstellung kommen, machen wir einen kurzen Schwenk in die Malerei Leiters. Bunte Abstrakte auf den unterschiedlichsten Malgründen prägen seinen Stil. Zu diesem Teil der Retrospektive konnte ich keinen Draht finden, mir fehlte da vor allem eine Linie. Über Kunst kann man nicht streiten, laut einigen Künstlern nicht einmal sprechen. Besser als – ich habe keinen Draht zu seinen Werken gefunden – kann ich es nicht ausdrücken.
Springen wir aber zum zweiten Teil der Ausstellung, den Farbfotografien, wird ein Schuh aus der Geschichte. Wunderbare Technicolor und Kodachrome Farben auf den gewohnt vielschichtigen Strassenszenen. Jede Fotografie ein Gemälde, die Kamera Leiters Pinsel. Herrlich. Ein Traum in Farbe und der Wehmut über die aktuellen Insolvenzgeschichten von Kodak wächst. Auch wenn sich Leiter eher als Maler denn als Fotograf sieht, für mich ist er ein vor allem ein Fotoimpressionist mit der Malerei als Hobby (mit dem Satz wander’ ich definitiv auf die schwarze Liste bei den Kunstfreunden).
Ted Forbes hat ein interessantes Video über die Farbfotografien von Saul Leiter gemacht:
[vimeo_video height="300" autoplay="no"]http://vimeo.com/18304674[/vimeo_video]
Besonders motivierend finde ich folgendes Zitat – gleichzeitig ist es ein wunderbares Fazit für die Retrospektive in den Deichtorhallen.
[articlequote]It is not where it is or what it is that matters, but how you see it.[/articlequote]
Schaut Euch die Ausstellung unbedingt an, bis April habt Ihr Zeit
